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Warum Hunde Angst riechen können – und was das wirklich bedeutet

  • Autorenbild: Lily Kuhn
    Lily Kuhn
  • 28. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

„Der Hund merkt, dass ich Angst habe.“Diesen Satz höre ich oft – und ja: Da ist tatsächlich etwas dran.Aber nicht so, wie viele denken.

Hunde „lesen“ keine Gedanken. Sie bewerten auch keine Menschen moralisch.Was sie können: feinste körperliche und chemische Veränderungen wahrnehmen – und darauf reagieren.

Schauen wir uns das sachlich und ohne Mythen an.


Können Hunde Angst wirklich riechen?

Kurz gesagt: Ja – indirekt.

Wenn wir Angst empfinden, laufen in unserem Körper automatisch Stressprozesse ab:

  • Aktivierung des sympathischen Nervensystems

  • Ausschüttung von Stresshormonen (z. B. Adrenalin, Cortisol)

  • Veränderung von Schweißzusammensetzung, Atem, Muskelspannung


Diese Veränderungen beeinflussen unseren Körpergeruch.Hunde besitzen bis zu 300 Millionen Riechzellen (Menschen: ca. 5–6 Millionen) – sie nehmen solche Veränderungen deutlich wahr (Miklósi, 2007).

Studien zeigen, dass Hunde Stress- und Angstgerüche unterscheiden können und ihr Verhalten entsprechend anpassen (D’Aniello et al., 2018).


Aber: Angst „macht“ keinen Hund aggressiv

Ein ganz wichtiger Punkt:👉 Angst bei Menschen löst nicht automatisch aggressives Verhalten beim Hund aus.

Was passiert stattdessen?


Hunde reagieren auf:

  • veränderte Körperspannung

  • unsichere Bewegungen

  • angehaltene Atmung

  • fehlende Klarheit im Verhalten


Das kann beim Hund:

  • Unsicherheit auslösen

  • erhöhte Wachsamkeit verursachen

  • Schutz- oder Distanzverhalten aktivieren

Besonders sensible oder unsichere Hunde reagieren stärker – nicht, weil sie „Angst riechen“, sondern weil das Gesamtbild schwer einschätzbar wird.


Warum Ruhe wichtiger ist als Mut

Viele Menschen versuchen, ihre Angst zu „unterdrücken“.Das klappt selten – und Hunde spüren genau diese innere Diskrepanz.

Aus verhaltensbiologischer Sicht wirkt kongruentes Verhalten am beruhigendsten:

  • ruhiger Stand

  • langsame, klare Bewegungen

  • gleichmäßige Atmung

  • neutrale Mimik

Nicht mutig spielen.Nicht dominant auftreten.👉 Einfach ruhig und berechenbar sein.


Was Menschen mit Angst konkret tun können

Wenn du Angst vor Hunden hast, helfen diese Punkte nachweislich:

👀 Kein direkter Blickkontakt

Anstarren kann für Hunde bedrohlich wirken.

🧍 Ruhig stehen oder langsam gehen

Hektik erhöht Erregung – auf beiden Seiten.

✋ Hände nah am Körper

Keine wedelnden Arme, kein Abwehren.

🚶‍♀️ Abstand einhalten

Abstand reduziert Stress für Mensch und Hund.

Diese Verhaltensweisen senken die Wahrscheinlichkeit von Missverständnissen deutlich (Overall, 2013).


Was Hundebesitzer:innen wissen sollten

Hunde reagieren nicht auf „Angstmenschen“, sondern auf unklare Situationen.

Als Halter:in kannst du viel tun:

  • Hund nah bei dir führen

  • klare, ruhige Körpersprache

  • kein „Der tut nichts“-Vorpreschen

  • Begegnungen kurz halten

Das schafft Sicherheit für alle Beteiligten.


Angst ist kein Makel – sondern Information

Angst ist ein biologisches Alarmsystem.Sie zeigt, dass etwas als potenziell unsicher eingeschätzt wird.

Hunde nehmen diese Information wahr – nicht wertend, sondern funktional.Je klarer, ruhiger und vorhersehbarer die Situation ist, desto entspannter reagieren beide Seiten.


Fazit

Ja, Hunde können Veränderungen wahrnehmen, die mit Angst zusammenhängen.Nein, das macht sie nicht gefährlich.

Was zählt, ist:

  • ruhiges Verhalten

  • klare Grenzen

  • gegenseitige Rücksicht

So entstehen sichere Begegnungen – auch dann, wenn Angst im Spiel ist. 🤍

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