top of page

Kinder & Angst vor Hunden – wie sichere Begegnungen gelingen

  • Autorenbild: Lily Kuhn
    Lily Kuhn
  • 28. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Kinder und Hunde können wunderbare Begegnungen haben – wenn sie sicher, freiwillig und gut begleitet stattfinden. Gleichzeitig ist die Angst vor Hunden bei Kindern weit verbreitet. Und sie ist ernst zu nehmen. Nicht, weil „Kinder übertreiben“, sondern weil ihr Nervensystem Gefahren anders bewertet als das von Erwachsenen.

Die gute Nachricht: Angst lässt sich nicht wegreden – aber sie lässt sich begleiten, verstehen und Schritt für Schritt abbauen.


Warum Kinder Angst vor Hunden haben (auch ohne schlechte Erfahrung)

Viele Kinder hatten nie einen „bösen“ Kontakt mit einem Hund – und haben trotzdem Angst. Das liegt daran, dass Angst nicht nur aus Erfahrung entsteht, sondern auch aus:

  • Größe & Unvorhersehbarkeit (ein Hund bewegt sich anders als Menschen)

  • Geräuschen (Bellen, Knurren, Hecheln)

  • schnellen Bewegungen

  • fehlender Kontrolle


Aus neurobiologischer Sicht reagiert das kindliche Gehirn besonders sensibel auf Reize, die schwer einzuordnen sind. Die Amygdala – unser „Gefahrenmelder“ – ist bei Kindern schneller aktiv, während die rationalen Bewertungsmechanismen noch reifen (Nelson et al., 2005).

Angst ist also kein Fehlverhalten – sondern ein Schutzmechanismus.


Was Kinder (wirklich) brauchen, wenn sie Angst haben

Der wichtigste Punkt zuerst:👉 Angst verschwindet nicht durch Zwang.

Sätze wie„Der tut doch nichts“ oder „Du musst da keine Angst haben“wirken gut gemeint – verstärken aber oft das Unsicherheitsgefühl.

Was stattdessen hilft:

  • ernst genommen werden

  • Wahlmöglichkeiten haben

  • klare, einfache Regeln

  • vorhersehbare Situationen


Konkrete Verhaltenstipps für Kinder (und Erwachsene)

Diese Regeln sind wissenschaftlich sinnvoll, leicht zu merken und geben Sicherheit:

👀 1. Kein Blickkontakt

Direktes Anstarren kann Hunde verunsichern oder als Bedrohung wirken.➡️ Lieber seitlich wegschauen oder auf den Boden.


✋ 2. Hände ruhig am Körper oder schützend vor der Brust

Keine wedelnden Arme, kein Wegschlagen.Eine ruhige, aufrechte Haltung signalisiert Sicherheit.


🧍‍♀️ 3. Stehen bleiben statt wegrennen

Rennen aktiviert bei vielen Hunden Jagd- oder Erregungsverhalten.➡️ Lieber stehen bleiben wie ein „Baum“.


🗣️ 4. Ruhige Stimme – oder gar nicht sprechen

Hohe, laute Stimmen erhöhen Erregung.Schweigen ist völlig okay.


🚶‍♀️ 5. Abstand ist erlaubt

Ein Kind darf immer sagen:„Ich möchte Abstand.“ Das ist kein Unhöflichsein, sondern Selbstschutz.


Was Hundebesitzer:innen beitragen können

Auch hier ganz klar:Verantwortung liegt nicht beim Kind.

Als Hundebesitzer:in kannst du viel dazu beitragen, Begegnungen sicher zu gestalten:

  • Hund nah bei dir führen, nicht „nach vorne lassen“

  • Kinder nicht zur Interaktion auffordern

  • auf Anzeichen von Unsicherheit beim Hund achten

  • Begegnungen kurz und ruhig halten

Studien zeigen, dass viele Beißvorfälle aus Missverständnissen entstehen – nicht aus Aggression (Overall & Love, 2001).


Langsam Vertrauen aufbauen – wenn das Kind es möchte

Wenn ein Kind von sich aus neugierig wird, kann man vorsichtig arbeiten mit:

  • Beobachten aus Distanz

  • Hund beim Schnüffeln sehen (nicht frontal)

  • Hund ruhig sitzen oder liegen sehen

  • später: Leckerli auf den Boden werfen, nicht aus der Hand

Alles in kleinen Schritten.Tempo bestimmt immer das Kind.


Wann professionelle Begleitung sinnvoll ist

Wenn:

  • die Angst sehr stark ist

  • sie den Alltag einschränkt

  • es bereits ein negatives Erlebnis gab

… kann gezielte, kindgerechte Aufklärung helfen – ohne Druck, ohne Zwang.

Auch für Hunde ist das wichtig:Sie spüren Unsicherheit sehr genau und reagieren darauf – oft selbst mit Stress (Bräuer et al., 2013).


Fazit

Angst vor Hunden bei Kindern ist nichts, wofür man sich schämen muss. Mit Wissen, klaren Regeln und Rücksicht auf beide Seiten können Begegnungen sicher und respektvoll gelingen.

Nicht jedes Kind muss Hunde mögen.Aber jedes Kind darf sich sicher fühlen. 💛

Kommentare


Worauf wartest du noch?

Lass uns gemeinsam schauen, wie ich dich und deinen Hund unterstützen kann.
Einfach unverbindlich ins Erstgespräch reinschnuppern – ich freu mich auf euch!

bottom of page