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Ruhige Auslastung statt Action: Winterbeschäftigung für sensible Hunde

  • Autorenbild: Lily Kuhn
    Lily Kuhn
  • 28. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Warum „mehr Bewegung“ im Winter oft keine Lösung ist

Ein weit verbreiteter Gedanke lautet:👉 „Mein Hund ist unausgeglichen – der braucht mehr Auslastung.“

Was dabei häufig übersehen wird:Im Winter steigt bei vielen Hunden das Stressniveau, nicht die Unterforderung.

Gründe dafür können sein:

  • Kälte und Anspannung im Körper

  • weniger Erholungsphasen draußen

  • mehr Umweltreize auf engem Raum (Stadt, Gehwege, Begegnungen)

  • veränderte Routinen

  • hormonelle Einflüsse durch Lichtmangel

Aus verhaltensbiologischer Sicht gilt: Stress + zusätzliche Erregung = keine nachhaltige Entlastung. Stattdessen kann es passieren, dass Hunde zwar müde wirken, innerlich aber immer unruhiger werden (Beerda et al., 1998; McEwen, 2007).


Sensible Hunde brauchen Regulation – nicht Dauerbespaßung

Sensible Hunde sind nicht „schwach“ oder „schlecht ausgelastet“.Sie nehmen ihre Umwelt intensiver wahr, reagieren stärker auf Reize und benötigen mehr Unterstützung bei der Selbstregulation.

Studien aus der Stress- und Emotionsforschung zeigen, dass kontrollierbare, vorhersehbare Aufgaben beruhigend wirken – während unstrukturierte Aktivität das Stresssystem aktiv halten kann (Panksepp, 2005; Lindsay, 2013).

Kurz gesagt:👉 Nicht was der Hund tut ist entscheidend – sondern wie er sich dabei fühlt.


Was ruhige Winterbeschäftigung ausmacht

Eine gute Winterbeschäftigung für sensible Hunde erfüllt mindestens drei Kriterien:

  1. Sie senkt das Erregungsniveau

  2. Sie ist gut dosierbar

  3. Sie stärkt Sicherheit & Selbstwirksamkeit

Dabei geht es nicht um „weniger machen“, sondern um anders machen.


Ruhige Beschäftigungsideen für den Winter (drinnen & draußen)

🧠 1. Nasenarbeit in kleinen Portionen

(Nasenarbeit hast du im vorherigen Artikel ausführlich – hier bewusst kurz gehalten)

  • einzelne Suchaufgaben statt großer Parcours

  • kurze Sequenzen (1–3 Minuten)

  • danach bewusst Pause ermöglichen

Nasenarbeit wirkt regulierend, weil sie das limbische System anspricht und Fokus fördert, ohne körperlich zu überfordern (Miklósi, 2007).


🧺 2. Erarbeitetes Futter statt Napf

Viele Hunde wirken im Winter „unter Strom“, fressen aber hastig oder lustlos.

Das Erarbeiten von Futter kann helfen:

  • Futter aus der Hand erarbeiten

  • Leckerlis aus Stoffen, Kartons oder Decken suchen

  • ruhiges Kauen (z. B. gefüllter Kong)

Forschung zeigt, dass kontrollierte Futtersuche positive emotionale Zustände fördern kann und Frustration reduziert (Foster, 1978; Lindsay, 2013).


🐾 3. Langsame Spaziergänge mit klarer Struktur

Nicht jeder Winterspaziergang muss lang sein.

Hilfreicher ist oft:

  • gleiche Route

  • langsames Tempo

  • viele Schnüffelpausen

  • wenig soziale Interaktion

Vorhersehbarkeit wirkt stresssenkend – besonders bei unsicheren Hunden (Beerda et al., 1998).


🛏️ 4. Ruhe aktiv begleiten

Ruhe ist kein Zustand, den man „verordnen“ kann – sie entsteht durch Sicherheit.

Unterstützend wirken:

  • fester Ruheplatz

  • Rituale (z. B. nach dem Spaziergang immer gleich)

  • ruhige Anwesenheit des Menschen

Oxytocin-basierte Bindungsprozesse spielen hier eine große Rolle (Uvnas-Moberg & Petersson, 2005).


Woran du erkennst, dass die Auslastung passt

Ein gut ausgelasteter Hund im Winter:

  • kommt leichter zur Ruhe

  • zeigt weniger Übersprungshandlungen

  • ist ansprechbar, nicht „hochgefahren“

  • wirkt nach Beschäftigung zufrieden, nicht erschöpft

Wenn dein Hund nach Aktivitäten hektischer, belliger oder fahriger wird, lohnt es sich, die Art der Auslastung zu überdenken.


Und wenn du unsicher bist?

Winterbeschäftigung ist kein Schema F. Alter, Rasse, Lernerfahrungen, Herkunft (z. B. Tierschutz), Gesundheitszustand – all das spielt eine Rolle.

Wenn du das Gefühl hast, dein Hund ist im Winter dauerhaft unausgeglichen oder du findest keinen guten Rhythmus:


📩 Melde dich gern bei mir. Gemeinsam schauen wir, welche Form von Beschäftigung deinem Hund wirklich guttut – ruhig, individuell und alltagstauglich.


📚 Quellen (APA-Stil)

Beerda, B., Schilder, M. B. H., van Hooff, J. A. R. A. M., de Vries, H. W., & Mol, J. A. (1998). Behavioral, saliva cortisol and heart rate responses to different types of stimuli in dogs. Applied Animal Behaviour Science, 58(3–4), 365–381.

Foster, W. S. (1978). Adjunctive behavior: An under-reported phenomenon in applied behavior analysis? Journal of Applied Behavior Analysis, 11(4), 545–546.

Lindsay, S. R. (2013). Handbook of applied dog behavior and training, Volume One. Wiley-Blackwell.

Miklósi, Á. (2007). Dog behaviour, evolution, and cognition. Oxford University Press.

Panksepp, J. (2005). Affective neuroscience: The foundations of human and animal emotions. Oxford University Press.

Uvnas-Moberg, K., & Petersson, M. (2005). Oxytocin, a mediator of anti-stress, well-being, social interaction, growth and healing. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 51(1), 57–80.

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